Öffne deinen Mund für den Stummen,
für das Recht aller Schwachen!

(Sprüche 31, 8)

Das ist unser aller Aufrag: Für uns als Christen überall auf der Welt. Die die gesamte Christenheit, über alle Konfessionen hinweg.

 

Wir sind die, die den Stummen eine Stimme geben und den Schwachen das Recht. Der Satz stammt aus einem der Weisheitsbücher des Volkes Israel, der glaubenden Juden. Es war und ist wohl eine Art Erziehungsratgeber, eine Sammlung von Ratschlägen und weisen Überlegungen. Damit die Sammlung genug Gewicht und Einfuss bekam, wollte man erkennen lassen, dass die Weisheit direkt vom König Salomo aufgeschrieben sei. Vermutlich ist dieses Buch der Sprüche aber nicht um das Jahr 1000 vor Jesus entstanden, sondern erst viel später, etwa um das Jahr 300 oder 200 vor Jesus. Das ändert allerdings nichts am weisen Inhalt. Und der Satz: Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen! möge uns ins Herz geschrieben sein.

 

Wir wissen ja leider, dass die Geschichte der christlichen Kirche auch eine Geschichte der Selbstgenügsamkeit, des Verrats und des Hochmuts gegenüber Andersgläubigen ist. Das ist schlimm und mit nichts zu rechtfertigen. Dafür werden sich noch viele vor dem Gericht Gottes verantworten müssen. Dass die Geschichte der Kirche auch eine Geschichte des Mordens ist, kann uns nur in tiefste Trauer versetzen. Mit diesem schweren Makel, mit diesen Sünden wird die Kirche weiterleben müssen. Die Verfehlungen ändern aber nichts am klugen und weisen Inhalt der Lehre. Und die heißt immer wieder: Seid eine Stimme für die Stummen; schafft den Schwachen Recht.

 

Glaubende - ob jüdisch oder christlich - und die christlichen Kirchen sind nie für sich selbst da. Das ist der Kern unseres Auftrags. Das wird auch zum Sinn unseres Lebens, wenn wir den Auftrag ernst nehmen. Wir finden uns, wir finden den Sinn unseres Lebens, wenn wir Verlorene suchen und ihnen zu ihrem Recht verhelfen.


Es mag zunächst eine Last sein, das ist wahr; es kann auch sehr anstrengend sein. Aber das Tun des Guten, des Rechten findet einen Weg zu uns zurück und wird uns stärken. Und indem das Gute uns findet, erkennen wir die Güte Gottes.

 

Und so wünsche ich uns, dass wir trotz aller Widerstände unseren Auftrag annehmen können: den Stummen eine Stimme zu geben und den Schwachen zu ihrem Recht zu verhelfen.

Klaus Suk, Pfr.