Die Baugeschichte

Der schiefe Turm der Pauluskirche ist das weit sichtbare Wahrzeichen der Stadt Kamen. Er ist das letzte Bauwerk aus Kamens Anfangszeit.

Ca. 100 Jahre bevor Kamen die Stadtrechte erhielt, wurde der Turm aus Anröchter Sandstein etwa 1100 bis 1130 erbaut. Der romanische Turm erhielt zunächst einen kurzen Turmhelm.

In unmitelbarer Nähe befand sich 1100 die Grafen- oder Funkenburg, dessen Burgherr die Kirche als Eigenkirche erbauen ließ und sie dem Heiligen Severin weihte. St. Severin hieß sie bis 1590.

 

Das erste Langhaus war vermutlich eine Holzkonstruktion, errichtet auf einer ehemaligen germanischen Opferstätte. Diese wurde nach 300 Jahren ca. 1200 n. Chr. von einer romanischen Steinkirche ersetzt, deren Dachansatz noch heute am Turm ablesbar ist. Sie wurde 1375 durch ein Feuer vernichtet und noch im selben Jahr abgebrochen. In den Folgejahren wurde ein größeres, dreischiffiges gotisches Langhaus mit 11 Seitenaltären errichtet. Die Finanzierung sicherten erfolgreiche Kamener Hansekaufleute. Die neu gewonnenen Erkenntnisse in der Statik ließen geringere Wandstärken und größere Fensterausschnitte zu. Nun passte der romanische Turmhelm mit seiner gedrungenen Form nicht mehr zum viel größeren Kirchenschiff und wurde durch den heutigen ersetzt. Die Asymetrie auf der Wetterseite soll aus zwei Gründen verwirklicht worden sein: Zum einen schützt die Verwindungssteife gegen starken Westwind und zum anderen sollte er im Falle eines Brandes nicht ins Kirchenschiff stürzen.

 

Die Bleieindeckung wurde im Jahr 1796 verkauft, als napoleonische Truppen alle Kultgegenständen aus Edelmetall stahlen und die Kirche als Lager und Pferdestall nutzten. Danach deckte Schiefer für 200 Jahre das Dach des Turmhelms. Dieser wurde erst im Jahr 1995 durch 32,6 Tonnen Blei ausgetauscht.

 

Als im Jahr 1841 Schäden am Mauerwerk, den Säulen und an einigen Gewölben sichtbar wurden, fand am 28. November 1841 der letzte Gottesdienst in der gotischen Kirche stat. Das gesamte Langhaus wurde abgerissen. 1846/47 kam die Köln-Mindener Eisenbahn als Finanzhelfer für den Neubau. Die Kamener Bevölkerung war gut situiert und spendete ebenfalls viel Geld. Am 22. März 1849 wurde der vierte Neubau, eine Saalkirche mit drei Emporen von Baurat Buchholtz im klassizistischem Stil entworfen, geweiht.

Im Jahr 1897 wurde der Innenraum neugestaltet.

Die Kassettendecke wurde nach dem Entwurf vom Architekten Fischer aus Barmen vom Schreiner E. Starke und Maler J. Edelmann aus Kamen umgesetzt. 1907 werden die Chorfenster figürlich verglast, sie zeigen die Geburt, die Kreuzigung und die Auferstehung Jesu. Das 1849 aufgestellte Altarbild wird auf die südliche Empore gestellt, um den Blick auf die Chorfenster frei zu machen.
Die Lutheraner und die Reformierten vereinigten 1919. Da die Reformierten den Namen des Heiligen St. Severin ablehnten, einigte man sich am 1. Mai 1920 für das Kamener Wahrzeichen auf den Namen Pauluskirche. 
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Am 25. Februar 1945 richteten zwei Bomben an der Südwestecke des Turmes schweren Schaden an. Im Schiff wurden durch die Detonation sämtliche Fenster zerstört. Die Reparatur dauerte bis 1953 an. Im Inneren wurde der Putz und die

Stuckprofile instandgesetzt und farblich neu gefasst. Die Fenster des Chores gestaltete der Kunstmaler und Restaurator Putfarken aus Düsseldorf, während die Fenster des Langhauses vom Unnaer Künstler Wilhelm Buschulte stammen. 1957 wurden Sicherungsarbeiten am Dachstuhl durchgeführt.
Eine weitere Instandsetzung fand in den Jahren 1980 bis 1982 statt: Die Emporenstützen waren schadhaft und mussten erneuert werden. Der Bodenbelag wurde ebenfalls gegen Rüthener Sandstein ausgetauscht. Eine neue Heizungsanlage wurde eingebaut. Die Prinzipalstücke wurden aufgearbeitet und das Gestühl erneuert. Die Orgel aus dem Jahr 1938 wurde durch ein Instrument von der Firma Führer aus Wilhelmshaven ersetzt und am 26. September 1982 eingeweiht. Nach dem Entfernen der Deckenverkleidung legte man die gut erhaltene Holzdecke aus dem Jahr 1897 wieder frei. Darüber befindet sich die Voutendecke aus der Erbauungszeit. Man stellte im Innenraum des Kirchenschiffes die Fassung des ausgehenden 19. Jh. wieder her. Auf die ornamentale Ausmalung des Chores wurde verzichtet.

1986 wurde das Kirchenschiff, wie schon zum Bau 1849 geplant, verputzt und 2014 gestrichen.
Im Zuge der großen Instandsetzung in den 80er Jahren wurde erneut das 1849 für 200 Taler erworbene Gemälde von Christan Zucchi statt des Kreuzes über dem Altar aufgestellt. Leider verdeckt es an dieser Stelle den Blick auf die Chorfenster zu einem großen Teil.
Das Natursteinmauerwerk des Turmes wurde 2007 mit einer Kunstharzschlämme überzogen um das Abwittern des Sandsteins zu verlangsamen.
Im Januar 2020 wurde eine thermische Behandlung im gesamten Turmbereich durchgeführt, um den Schädlingsbefall an sämtlichen Holzbauteilen bis in die Dachspitze zu bekämpfen.

 

Zu den Maßnahmen

Häufige Sturmschäden am Dach des Kirchenschiffes führten zu Feuchteschäden im Innenbereich, an der Holzdecke und dem Mauerwerk. Am First des Chores sind offene Stellen sichtbar geworden. Sämtliche Dachluken weisen Undichtigkeiten auf. Die Schalung ist durch die ständige Feuchtigkeit teilweise angegriffen. Die Deckung des Kirchenschiffes aus
Kunststoffschindeln soll gegen Schiefer ersetzt werden.
Der gesamte Dachstuhl ist von Taubenkot verdreckt. Dieser bindet Feuchtgkeit und schadet der Konstruktion. Die auf der Spalierdecke liegende KMF haltige Dämmung ist ebenfalls stark verschmutzt, wie auch der rissige Rieselschutz. Ein Bauphysiker soll klären, ob eine Dämmung notwendig oder eher schadhaft für das Bauwerk ist. Der Zustand der Balkenköpfe wurde nur stichprobenartig festgestellt und muss nach Entfernen der Dämmung untersucht werden.

 

Durch eine unzureichende Regenentwässerung wurde das Mauerwerk der Strebepfeiler stark durchfeuchtet. Der Traufereich weist über die gesamte Länge des Kirchenschiffes Risse auf. Teile sind bereits herausgebrochen. Im Zuge der Dachsanierung soll das Traufblech verlängert  und der Traufbereich saniert werden. An den Fallrohren werden Einlaufkästen mit Überlauf installiert, um bei starken Regenereignissen oder Verstopfung ein Überlaufen und damit ein erneutes Durchfeuchten des Mauerwerkes gerade an den Strebefeilern zu verhindern. Weiterhin soll ein Laubschutz auf den Rinnen angebracht werden.

 

Die Innenwand- und Außenwandflächen sollen abgereinigt und neu gefasst werden. Tiefgehende Risse im Putz sind aufzuweiten und fachgerecht zu verschließen. Die Decke im Innenraum wird überprüft, sobald das Innengerüst gestellt ist und gegebenenfalls restauratorisch ausgebessert.

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Eine Neuverlegung und Verfugung der Eingangspodeste auf der Nord- und Südseite ist geplant. Die abgesackten Bereiche des Traufstreifens werden instandgesetzt.

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Im Turminnern werden in Teilbereichen Risse saniert. Hier wird zu hartes Füllmaterial aus Zementmörtel entfernt und fachgerecht durch Heißkalkmörtel ersetzt. Dieses Material ist wesentlich weicher und kann die Bewegungen des Bauwerkes mitmachen. Siehe hierzu Anlage 7.2 Rohrberg Gutachterliche Stellungnahme.
Die Fassadenbeschichtung des Turmes weist partielle Schädigungen auf. Die Abplatzungen resultieren aus der Reaktion von Wasser und dem im Gestein vorhandenen Glaukonit. Es wird geprüft, ob eine Ausbesserung oder ein Angleichen der
Fassade einen längeren Schutz bietet.
Sämtliche hier beschriebene Maßnahmen sind denkmalbedingte Aufwendungen und dienen dem Erhalt und dem Schutz der denkmalgeschützten Substanz.