[Suk] Im Januar 1992 startete die Erzieherin Angelika Göppert als Zusatzkraft für Kinder mit Migratonshintergrund in der Kita-Kämerstraße. Als erste Erzieherin der Kirchengemeinde absolvierte sie 1999 eine heilpädagogische Zusatzausbildung.

 

Lange arbeitete sie in einem starken, beständigem Team als Abwesenheitsvertretung der Leiterin Mechthild Krause. 2007 bereicherte sie die Arbeit mit einer Ausbildung als Entspannungspädagogin. Ihr lag ständig das Wohl des Kindes am Herzen. Besondere Freude hatte sie an Holzsägearbeiten. Bei religionspädagogischen Geschichten und Entspannungsgeschichten setzte sie gern die Klangschalen ein.

 

Bis zuletzt arbeitete sie im Team von Almut Böckmann im „Atelier“ der Kämerstraße, wo gemalt, künstlerisch und kreativ gestaltet wird. Dabei bildeten Frau Göppert 16 Jahre lang mit der Kollegin Filiz Celik ein hervorragendes Team.

Nach 28 Jahren Mitarbeit verlässt uns die Mitarbeiterin auf eigenen Wunsch, um sich anderen, spannen den Herausforderungen des Lebens zu widmen.
Die Evangelische Kirchengemeinde Kamen dankt Angelika Göppert für ihre verantwortungsvolle, freundliche und kreative Mitarbeit und wünscht ihr einen weiteren gesegneten Lebensweg.

 
 kifazkaemer2021 05
kifazkaemer2021 04

 

Die folgende Geschichte las die Kollegin von Frau Göppert bei der Verabschiedung. Wir fanden es so originell, dass wir es hier abdrucken.

 

Die Pantoffeln

Es waren einmal ein Paar neue Pantoffeln.
Sie waren wunderschön, sehr bequem und glänzten.

Sie gehörten einer Erzieherin.

Sie nahm sie mit in den Kindergarten, um sie dort zu tragen, morgens wurden sie angezogen und bis zum Nachmittag getragen.

Das war schon eine lange Zeit.

Sie quietschten vor Vergnügen beim Laufen. Es war anfangs sehr deutlich zu hören.

Sie liefen Tag ein Tag aus, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr.

Mal in der Gruppe, mal im Flur, in der Turnhalle und überall im Kindergarten.

Es gab keinen Winkel im Kindergarten, den sie nicht kannten.

Auf Sommerfesten, am Tag der offenen Tür, an Groß-Eltern-Kind-Nachmittagen und in Morgenkreisen.
Sie liefen nach links und nach rechts, nach oben und nach unten.
Pssst, nicht verraten!

Und manchmal liefen sie sogar auf das Außengelände, wenn die Erzieherin mal ganz schnell einem Kind vom Klettergerüst helfen musste oder eine großartige Sandburg bewundern wollte.

Nachmittags wurden die Pantofeln in der Kammer abgestellt, da konnten sie sich vom Tag ausruhen.

Sie trugen ja schließlich auch ein bisschen Gewicht und manchmal schwitzten auch die Füße, dann war es nur gut, dass sie auch auslüften konnten.

Einmal im Jahr bei der Übernachtung der Schulanfänger, wurden die Pantoffeln auch abends und sogar die halbe Nacht getragen.
Das fanden die Pantoffeln toll.

Eines Tages wurden die Pantoffeln müde, sie glänzten nicht mehr.

Die Sohlen wurden immer dünner und sie bekamen Risse.

Nun ja, es war auch nicht einfach, so viele Kilometer mit der Erzieherin zu laufen.

Die Erzieherin dachte manchmal: „Eigentlich wird es Zeit, die Pantoffeln abzugeben.“

Aber sie waren so bequem, und sie hatte sie einfach gerne an.

Nun, Pantoffeln halten ja auch nicht ewig. Das kennt ihr ja sicher.

Eure Füße wachsen auch noch und deshalb wechselt ihr viel öfter eure Pantoffeln und beschreitet mit ihnen neue Wege. Wie zum Beispiel in die Schule zu gehen.

Eines Tages hörten die Pantoffeln zwei Mütter darüber reden, dass man getragene Kleidung und Schuhe recyclen könnte.
Es bedeutet, dass man aus dem Stoff, Leder oder Gummi neue Dinge herstellen kann.
Von nun an wünschten sich die Pantoffeln, dass die Erzieherin sie abgeben möge, damit für sie etwas Neues beginnen kann.

Nach einiger Zeit stellte die Erzieherin fest, dass die Pantoffeln nun wirklich abgetragen waren, und ihr dadurch nachmitags schon die Füße schmerzten.
Denn so bequem waren sie nun wirklich nicht mehr.
So beschloss sie, die Pantoffeln abzugeben.
Die Pantoffeln waren zufrieden und wollten all die schönen Erfahrungen (wie z.B. das helle Kinderlachen oder Kitzeln, wenn wieder einmal Tee vom Frühstückstisch auf sie herabtropfe) in Erinnerung behalten.
Und so verabschiedeten sie sich voneinander und gingen dankbar auseinander.

 

Immer, wenn etwas zu Ende geht, bedeutet es, dass etwas Neues beginnt.

Filiz Celik