Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

Liebe Schwestern und Brüder,

 

das Weihnachtsfest und der Beginn des Jahres 2021 stehen bevor. Hoffentlich wird es ein Jahr, wo wir wieder mehr Nähe und Normalität erleben dürfen. Ich wünsche euch ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes, friedliches und gesundes Jahr.

Über diesen 12 Monaten steht eine Losung, die uns an eine grundsätzliche Forderung unseres Herrn verweist: Seid barmherzig, wie auch Gott barmherzig ist. Dies ist eine Aufforderung und Erinnerung, gewissermaßen ein Gebot, für ein gelingendes Zusammenleben.

 

Leider ist dieses Wort barmherzig nicht oft zu hören und zu spüren. Allenfalls wissen Kirchenferne und –nahe noch, dass natürlich Gott barmherzig ist. Vergebung und Verzeihen verbinden sie mit Gott. Dieses in der Weise, dass Got ihnen selbst sehr wohl barmherzig sein soll oder sogar muss, denn er ist ja der liebe Gott. Gegenüber anderen ist dieser Wunsch eher schwach.

 

Aber was heißt eigentlich barmherzig sein? Es bedeutet aus meiner Sicht, jemandem sein Herz öffnen, sich verständnisvoll erweisen, sich seiner annehmen, ihm oder ihr zu helfen, zu trösten, ihn oder sie aufzurichten, dem Mitmenschen beizustehen. Unseren Mitmenschen großherzig begegnen. Es ist ein Handeln, was der Nächstenliebe entspricht und sich in der Menschlichkeit niederschlägt. Dies fordert der Herr von uns allen, weil auch Gott zu uns barmherzig ist, obwohl wir es nicht verdient haben.

 

Seine größte Barmherzigkeit erwies Gott darin, seinen Sohn zu unserer Sühne am Kreuz zu opfern. Es ärgert Gott bestimmt Vieles, was auf Erden geschieht, aber er hört nicht auf, uns sein Herz zu schenken. Mit seiner Forderung stellt sich Jesus als Sohn Gottes klar gegen unseren Egoismus, gegen die Gier zu kurz zu kommen, gegen die Ansicht „zuerst ich!“ Ich habe recht! An der Supermarktkasse: Ich bin zuerst dran! Im Straßenverkehr: Ich weiche nicht aus, freie Fahrt für freie Bürger! Auf der Arbeitsstelle: Ich habe das verdient! In der Frage der Migraton: Ich will keine Ausländer hier haben, sollen sie sehen, wie sie klarkommen! In Sachen Wohlstand: Ich lasse mir nichts wegnehmen! u.s.w.

Barmherzig sein heißt: ich sehe mein Gegenüber (nah und fern), lasse mich von ihm anrühren und versuche ihn zu verstehen und ihm zu helfen, ohne mich in den Mittelpunkt zu stellen oder auf mein Recht zu pochen. Dies ist übrigens ein Grundwert der europäischen Union. –

Ein letzter Gedanke: Jeder von uns möchte doch ein barmherziges Handeln an sich selbst. Gott schenkt es uns, wir sollen es ihm gleichtun. So wird das Leben lebenswert nicht nur im Jahr 2021. Seid also barmherzig zueinander, weil ihr alle von der Barmherzigkeit Gottes lebt.

Bleibt gesund und ein barmherziges neues Jahr.

Euer Pastor Poth