[Suk] Es war am ersten Samstag im November. Ich musste einkaufen, mal wieder bei Aldi im Hemsack. Ich war auf der Suche nach großen grauen Plastiktüten, weil ich aufräumen wollte, um Platz zu schaffen. Da die Säcke nicht an dem gewohnten Platz lagen, fragte ich einen Aldimitarbeiter. Er bemerkte, dass wohl ein Zeitgenosse alle Säcke aufgekauft habe. Enttäuscht dachte ich, die Säcke kann ich auch noch in ein paar Tagen holen.

Als ich an der Kasse war, um die Einkäufe zu zahlen, stand plötzlich der freundliche Aldimitarbeiter wieder vor mir. Er hielt zwei Rollen Plastiktüten in der Hand und fragte mich: „Brauchen Sie ein oder zwei Rollen davon?“ – Da hatte einer mitgedacht. Ich habe mich sehr über diese Freundlichkeit gefreut. Er hatte mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

 

Einige Tage später wurde ich an einen Gedenktag erinnert: der Welttag der Freundlichkeit und Güte. Ja, das gibt es wirklich. Er wurde 1998 ins Leben gerufen. Der Zweck des Tages: Es sollen gute Taten in der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. 

Es gibt viel Freundlichkeit und Güte in der Welt, und selten wird davon berichtet. Warum ist das so? Vielleicht weil die Meinung vorherrscht, Freundlichkeit und Güte wären nicht so wichtig, weil sie nur wenig bewirken und die Welt kaum verändern. Dem möchte ich widersprechen. Freundlichkeit und Güte sind ungeheuer wichtig. Wieviel ein freundliches Wort, aufmerksames Zuhören oder auch ein Lächeln bewirken können, haben Sie vielleicht – hoffentlich – schon selbst erfahren dürfen.

Und konnten wir – meiner Ansicht nach – besonders in den Monaten erfahren, in denen wir gezwungen waren, Abstand zu halten. Vielleicht ist man in Krisensituationen auch sensibler für Freundlichkeit und Güte. Wenn man in einer kleineren oder auch größeren Notsituation ist. Ansonsten kann es schon eher passieren, dass Freundlichkeit und Güte nicht bemerkt werden. Anders gesagt: dass abfällige Worte und abweisende Gesten mehr Aufmerksamkeit bekommen als freundliche Worte und Gesten. Das ist schade.

Wäre es anders, wären wir für Freundlichkeit aufmerksamer, wären auch wir und unsere Tage freundlicher. Deshalb möchte ich mich bemühen, mir immer wieder neu eine Sensibilität für das Wohlwollen anderer Menschen zu bewahren.

Schon mit kleiner Kraft kann ich etwas tun, selbst freundlich und gütig zu sein: Mit mir selbst, mit meinen Mitmenschen. Ein Wort des Dankes oder der Aufmunterung und Geduld. Kleine Gesten, große Wirkung möchte Ihnen ein Sprichwort, das ich bei Michael Tillmann gelesen habe und der mir die Idee für diesen Artikel geschenkt hat, allen mitgeben: „Es ist nett, wichtig zu sein. Es ist wichtiger, nett zu sein.“