Jesus sagte noch einmal zu ihnen: „Friede sei mit euch! Wie mich Gott gesandt hat, so sende ich euch.“ (Joh 20, 21)

Liebe Schwestern und Brüder,

 

Ostern liegt hinter uns. Auch das Wort aus dem Johannesevangelium wird von Jesus als dem Auferstandenen gesprochen. Er erscheint seinen Jüngern, die noch völlig unter Schock stehen von
den vergangenen Ereignissen. Sie haben Angst um ihr Leben, weil sie zu recht fürchten, als Anhänger Jesu selbst bestraft zu werden. Da kommt der Herr zu ihnen und sagt: Friede sei mit euch! Dies bedeutet soviel wie: „Fürchtet euch nicht!“ Damit beruhigt er sie und schenkt ihnen neue Zuversicht. Er, den sie tot glaubten, lebt und steht vor ihnen.

 

Kann es einen größeren Trost geben, als den Tod überwunden zu wissen? Davon leben wir alle. Diese in uns liegende Gewissheit, dass wir am Ende unserer Zeit zu Gott zurückkehren und nicht der Sinnlosigkeit des Todes preisgegeben sind, nimmt uns die Angst und wir können unser Leben mit Hoffnung und frohem Mut leben, wenngleich uns verschiedene soziale und menschliche Probleme bedrücken. Aber die Alternative wäre schrecklich.

 

Diese Gewissheit ist es, die unseren christlichen Glauben zutiefst prägt. Also: „Friede sei mit euch allen .“ Allerdings folgt auf den Zuspruch des Herrn zugleich ein Anspruch: „Wie mich Gott gesandt hat, so sende ich euch.“ Wir alle, die wir uns als Christinnen und Christen verstehen, sind, wie die Jünger damals, gesendet. Aber wohin will er uns senden? Sehen wir in die Evangelien, so ist die Antwort einfach: Zu allen, die am Leben leiden. Zu den Mühseligen und Beladenen. Beispiele gibt es leider mehr als genug. Da sind die Hilfsbedürftigen bei uns, die an den Tafeln anstehen – in einem reichen Land wie dem unserigen ist es nur schwer zu verstehen, dass 1,2 Millionen  Menschen derartige Hilfe brauchen -, da ist die alleinerziehende Mutter, da ist der allein lebende Nachbar, beide warten auf einen Besuch, auf Beistand, da sind die engsten Angehörigen, die ein gutes Wort brauchen, da sind die Asylsuchenden, die auf Verständnis und Hilfe angewiesen sind.

 

Aber auch darüber hinaus sind wir gesandt, unsere Nachfolge ernst zu nehmen. Es darf und kann  uns nicht unberührt lassen, wenn wir erleben, wie Städte dem Erdboden gleichgemacht werden, wie Menschenrecht und – würde vor politischen Interessen zurücksteht. Hier ist unsere Stimme gefragt. Kurz: Der Herr sendet uns, darüber nachzudenken, wo und wie wir helfen und beistehen können. Wir sind dazu berufen, alles aufzudecken, was dem Willen Gottes widerspricht.

 

Selbstverständlich gehört für mich die Schöpfungsverantwortung dazu. Es ist erst wenige Wochen her, da wurde im großen Stil Gülle auf die umliegenden Felder ausgebracht. Natürlich im Rahmen von Grenzwerten. Aber wird dadurch unser Grundwasser nicht doch belastet? Wie sieht es mit dem Klärschlamm als Dünger aus?

 

Friede sei mit euch! Dies gilt uns und der Natur gleichermaßen. Wir Nachfolgerinnen und Nachfolger unseres Herrn dürfen nicht nur unsere eigenen Interessen, unser eigenes Wohlergehen vor Augen haben, sondern sind gesandt, alle Menschen und die Schöpfung als Geschenk Gottes anzusehen. Beidem sollen wir mit Liebe und Respekt begegnen. Stellen wir bei unserem Denken und Handeln immer erst die Frage: „Was würde Jesus dazu sagen?"

 

So beginnen wir in die richtge Richtung zu leben. Bei allem und über allem bleibt aber die Zusage unseres Herrn gewiß: Friede sei mit euch. Fürchtet euch nicht. Ich bin bei euch alle Tage.

 

Einen schönen Frühling.
Euer Pastor Poth